Redebeitrag gegen die Querdenken-Aktionen am 12.12.2020

Klar statt Quer denken!
Als antikapitalistische Kampagne aus Dresden suchen wir solidarische Antworten auf die Probleme und Herausforderungen der aktuellen kapitalistischen Krise zu finden. 
Die sogenannte „Querdenken“ Bewegung bietet solche Antworten nicht – im Gegenteil:  Ihre Anhänger*innen sehnen sich nach einer noch autoritäreren Gesellschaft, nach noch mehr Konkurrenz, noch mehr Ellbogen, noch mehr Alle gegen Alle.
Alles das verstellt den Blick auf die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Krise. Denn diese Pandemie mag ein untypisches, unvorhersehbares Ereignis gewesen sein. Ihre Folgen aber sind es nicht.
Diese Krise trifft vor Allem jene, die schon unter dem Normalzustand dieser Gesellschaft gelitten haben: arme Menschen, prekär Beschäftigte, sozial Benachteiligte, Betroffene von häuslicher Gewalt.
Ein Beispiel: Das Gesundheitssystem gerät an seine Grenzen. Kommunen suchen nach freiwilligen Helfer:innen in der Kranken- und Altenpflege, weil das System auf diesen Ausnahmezustand nicht vorbereitet ist. Es ist aber kein neues Problem, dass es nicht genug Pflegepersonal in Sachsen gibt. Es ist das Ergebnis davon, dass seit Jahrzenten Arbeiter:innen in der Pflege unter furchtbaren Bedingungen arbeiten, schlecht bezahlt werden und der letzte Cent aus ihrer Arbeitskraft gepresst wird. Diese Menschen brauchen keine leeren Dankesworte und keinen Applaus vom Balkon, wir brauchen Kontrolle über unsere Arbeitsbedingungen und gerechte Bezahlung.
Dieses Beispiel zeigt, wie viele andere auch, dass uns hier grade nicht die unvorhersehbaren Folgen eines historischen Ereignisses treffen. Was hier grade passiert, ist kein Ausnahmezustand, sondern der Normalzustand unter einem Brennglas. 
Vom Pflegenotstand zu im Stich gelassenen Prekär-Selbstständigen, von Betroffenen häuslicher Gewalt, die mit den Tätern zu Hause eingeschlossen werden, zu Wohnungslosen, die kein zu Hause haben, in dem sie bleiben könnten, von Jugendarbeit, der die Mittel zusammengestrichen werden, zu Geflüchteten, die in Sammelunterkünften nicht einmal ansatzweise Abstand zu anderen halten können:
Der Staat und das Kapital lassen gerade all jene durch das Netz dieser Gesellschaft fallen, die ihnen ohnehin schon immer scheiß egal gewesen sind! Denn weiter zur Lohnarbeit erscheinen dürfen wir alle, egal ob unsere Jobs essenziell sind oder nicht, weiter Miete zahlen müssen alle, egal ob sie sich das noch leisten können oder nicht. Leben retten und Infektionsschutz enden da, wo sie Wirtschaft und Kapital gefährden. Diese Gesellschaft, dieses System steckt nicht in einer Krise, es ist die Krise!
Wenn wir Krisenauswirkungen wie diese abfangen wollen, wenn wir eine Gesellschaft wollen, die wirklich Sicherheit für alle bietet, dann brauchen wir weder die autoritäre Bearbeitung dieser Seuche durch den Staat, noch durch das kapitalistische Gesundheitssytem und schon gar keine rechten Phantasiegebilde von Verschwörungsideolog:innen und Faschist:innen.
Wir brauchen eine Gesellschaft, in der Gesundheitsversorgung sich am Bedarf der Menschen und nicht an Profitinteressen orientiert. Wir müssen uns als Betroffene miteinander organisieren und aktiv werden. Kapitalinteressen sind in dieser Gesellschaft offenbar wichtiger als das Gemeinwohl und der Staat wird daran nichts ändern, also müssen wir das tun!

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